Der @RegSprecher und der angebliche Pornolink

Regsprecher-pornolink

Regierungssprecher Steffen Seibert hat in den Abendstunden des 20. Oktober 2011 einen Kurzlink getwittert, der statt auf eine Presseerklärung der Bundeskanzlerin zum Tod von Muammar el Gaddafi auf die Pornoseite fantasti.cc verwies. Grund war ein vertauschter Buchstabe im Kurzlink: Der Link, der auf die Pressemeldung verweist, lautet bit.ly/pQI13G, der Link auf fantasti.cc lautet bit.ly/pQl13G. Offenbar hat jemand beim Bundespresseamt die Kurz-URL falsch abgetippt und dabei durch einen unglücklchen Zufall ausgerechnet einen Link auf eine Webseite mit pornografischen Inhalten erwischt.

Das ist zumindest die Geschichte, die zunächst durch diverse Blogs ging und die inzwischen auch in traditionelleren Medien angekommen ist.

Tatsächlich glaube ich nicht, dass es so abgelaufen ist. Für mich sieht es so aus, als ob der ursprünglich über den Twitter-Account @RegSprecher gepostete Link schlicht fehlerhaft war, also auf gar nichts verwies, irgendein Witzbold das dann gemerkt hat und den fehlerhaften Link bei bit.ly als Kurz-URL für die Pornoseite angemeldet hat. Für diese Vermutung habe ich drei Gründe:

1. Der Account @RegSprecher reichte innerhalb von Minuten einen funktionierenden Link nach, der ursprüngliche Tweet wurde aber erst später gelöscht und durch einen neuen Tweet mit dem richtigen Link ersetzt (der Screenshot oben stammt vom @rauskucker). Wenn der ursprüngliche fehlerhafte Link zum Zeitpunkt der ersten Korrektur auf eine Pornoseite verlinkt hätte, hätte man ihn wohl sofort gelöscht.

2. Einige User auf Twitter berichteten, dass sie beim Anklicken des Links am Anfang keine Pornoseite, sondern nur eine Fehlernachricht erhielten (leider finde ich die betreffenden Tweets nicht mehr).

3. Der korrekte Kurzlink bit.ly/pQI13G wurde am 20. Oktober 2011 zwischen 18 und 19 Uhr erzeugt, es wurde einmal um 18 Uhr und einmal um 19 Uhr darauf geklickt. Auf den Pornolink bit.ly/pQl13G wurde erst ab 19 Uhr geklickt. Das kann ich leider nicht belegen, da stundenweise aufgelöste Statistiken für bitly-Links immer nur für die letzten 24 Stunden öffentlich verfügbar sind und ich leider keinen Screenshot gemacht habe, man muss es mir also glauben. Es hat aber unabhängig von mir ein Kommentator bei Netzpolitik.org auf diesen Zeitablauf hingewiesen.

Was die Gesamtstatistik für den Pornolink aber nachvollziehbar zeigt, ist, dass auf diesen Link vor dem 20. Oktober 2011 nie jemand geklickt hat -- diese Statistik findet sich unter https://bitly.com/pQl13G+ (dort über der Grafik die Option „Total“ auswählen. Die Gesamtstatistik zeigt auch, dass dieser Link von einem angemeldeten Bitly-Nutzer mit dem Namen „willyberlin“ erzeugt wurde (auch darauf hat der oben verlinkte Kommentar bei Netzwelt.org schon hingewiesen). Dessen Nutzerkonto existiert aber nicht mehr, er dürfte es also nur zu dem Zweck angemeldet haben, diesen einen Pornolink zu erzeugen.

Es wäre schon ein großer Zufall, wenn jemand in den Abendstunden des 20. Oktober 2011 einen Bitly-Link auf fantasti.cc erzeugt hätte, und der Account @RegSprecher diesen Link am selben Abend aus Versehen twittert. Es ist für mich deshalb klar, dass sich jemand mit dem Pornolink einen bewussten Spaß erlaubt hat, für den der Regierungssprecher nichts kann.

Dass man im Bundespresseamt Kurz-URLs von Hand abtippt, ist natürlich auch ohne Pornografie lustig genug.

[Nachtrag 1: Siehe Kommentar 2 unten, in dem ein Tweet der unter 2.) angesprochenen Art verlinkt ist.]

[Nachtrag 2: Der Regierungssprecher stimmt meiner Darstellung per Twitter zu: https://twitter.com/regsprecher/status/127754144546168832 ]

Spaß mit Symbolen

In vielen Situationen sollen Bildsymbole dazu dienen, sprachbarrierenübergreifende Kommunikation zu ermöglichen. Leider ist es gar nicht so leicht, unmissverständliche Symbole zu finden, was immer wieder Anlass für mutwillige und sehr unterhaltsame Fehlinterpretationen liefert.

Ein Klassiker mit einem festen Platz im Olymp der Internet-Meme ist dabei natürlich Push Button, Receive Bacon („Knopf drücken, Speck erhalten“):

Receivebacon

In den letzten Tagen ging dann das grandiose, weil irgendwie noch subversiver-subtile Applaud the Jellyfish („Applaudiert der Qualle“) durch die Blogs und Foren:

Applaudthejellyfish

Aber der leider noch weitgehend unbekannte Klassiker der Herzen schlummert seit Jahren in einem kurzen Kommentar eines inzwischen eingeschlafenen Blogs. Es ist eine absolut plausible Interpretation des Warnsymbols für Radioaktivität der International Atomic Energy Agency, die ich aus aktuellem Anlass als Bilddatei aufbereitet habe: Pirates please exit to right when overhead fan is on („Piraten verlassen das Gebäude bitte rechts, wenn der Deckenventilator läuft“):

Piratesexittoright

 

Bei Fremdsprach-Sünden raste ich aus!

Riduzione

Dieses Bild zeigt nicht etwa eine Boutique in Rom oder Mailand, nein, es handelt sich um ein Ladengeschäft in der Ottenser Hauptstraße im bodenständigen Hamburg. [1]

Ja, bin ich denn in Italien? Speziell der deutsche Textilhandel versucht, sich mit dieser Sprachpanscherei ein weltmännisches Flair zu geben!

Dass wir Wörter importieren, wenn wir für bestimmte Dinge selber keine haben, ist selbstverständlich. Wenn aber irgendein Idiot aus Ausverkauf ,Riduzione‘ macht, raste ich aus. Jede Oma kennt Ausverkauf, aber nicht Riduzione. Wer solche Wörter benutzt, will sich nur aufplustern!

Wenn wir unseren zugewanderten Mitbürgern sagen, sie könnten nur was werden, wenn sie Deutsch lernen, sie dann aber mit Italienisch zugeschüttet werden, ist das pädagogisch gesehen eine Todsünde!

Ich habe deshalb einen Verein gegründet, der gegen diesen Mischmasch aus Deutsch und Italienisch („Deutalienisch“) kämpft. Auch bekannte Persönlichkeiten wie Kaiser Wilhelm II und Caspar David Friedrich sind mit dabei. [2]

[1] http://www.baretta.de

[2] Bei diesem Text sind mir möglicherweise handwerkliche Fehler unterlaufen. Bei zwei Fußnoten und einer Quelle verliert man schon mal die Übersicht. Es kann sein, dass ich als junger Familienvater aus Überforderung zur Harvard-Zitierweise gegriffen habe und fast alles hier abgeschrieben habe: http://www.bild.de/regional/ruhrgebiet/germanistik/wenn-ich-sale-lese-raste-i...

(via Coffee and TV)

Unendlicher Gebrauch von endlichen Schildern

Sackgasse-kreativ

[Achtung, Nachtrag unten beachten!]

[Und auch den Nachtrag zum Nachtrag beachten!!]

Die Abbildung oben links zeigt ein erfundenes Verkehrszeichen, das kreative Unbekannte in Wernigerode aufgestellt haben und das die Polizei am Wochenende entdeckt und sichergestellt hat (die ganze Geschichte mit Foto findet sich unter [1]).

Die Abbildungen rechts zeigen die drei Verkehrszeichen, deren Elemente hier kombiniert wurden.

Interessant ist das deshalb, weil Verkehrszeichen eine merkwürdige Mischung aus ikonischen (bildhaften) und symbolischen (nur per Konvention festgelegten) Bedeutungsbestandteilen sind, die die Werningeroder Zeichenschöpfer hier so kombiniert haben, dass die kommunikative Absicht sofort jedem klar ist. Kreativ ist dabei die dünnere weiße Linie, die über dem roten Querbalken weiterläuft und nahelegt, dass sich hier eine Barriere befindet, die für die darüber symbolisierten Fußgänger und Fahradfahrer, nicht aber für (nicht gezeigte) Autofahrer passierbar ist.

Ursprünglich standen an dieser Stelle übrigens die Verkehrszeichen für „Durchfahrt verboten” und „Anlieger frei“. Die Polizei fahndet jetzt nach den Erfindern des neuen Verkehrszeichens -- leider wohl nicht, um ihnen zu ihrer Kreativität zu gratulieren...

[1] http://www.boulevard-baden.de/ueberregionales/panorama/2011/07/18/polizei-ste...
[2] Der Titel ist eine Anspielung an Wilhelm von Humboldt’s Beobachtung, dass „von endlichen Mitteln einen unendlichen Gebrauch machen“ müsse (Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaus: http://books.google.de/books?id=3nugcnUKDOIC&pg=PA99)
[3] Dieser Beitrag ist Juliana Goschler gewidmet.

[via Christian Reinboth auf Facebook]

Nachtrag (12:30): Wie die Kommentator/innen hier und auf der Facebookseite des Sprachlog schnell aufgedeckt haben, ist die Sache doch nicht ganz so kreativ -- dafür aber umso verwirrender. Das in Wernigerode gefundene Schild ist kein ganz offizielles Verkehrszeichen, aber man kann es bei der Firma A.S.T. in genau dieser Form kaufen.

Es gibt außerdem ein ähnliches Verkehrszeichen, nämlich das für eine „durchlässige Sackgasse“, das eine geradlinigere Kombination zweier bekannter Verkehrszeichen darstellt:

Durchlaessige-sackgasse
Die Suche der Polizei nach dem Herstellungsort des Schildes könnte sich damit abkürzen, wenn man dort das Sprachlog läse. Und wenn die Firma A.S.T. ihre Bestellungen ordentlich verwaltet, dürfte der Kreis der Verdächtigen sich theoretisch schnell eingrenzen lassen.

Das Motiv der unbekannten Täter wird dadurch nicht klarer. Natürlich könnte sich noch herausstellen, dass das Schild tatsächlich von offizieller Seite aufgestellt worden ist und hier nur zwei Behörden aneinander vorbei handeln.

Ich lerne daraus zwei Dinge: 1) Nichts, wirklich nichts aus einer Zeitung zu übernehmen, ohne selbst noch einmal zu recherchieren, und 2) nie, wirklich nie an der uneingeschränkten Macht des Crowdsourcing zu zweifeln!

Nachtrag zum Nachtrag (13:23): Tatsächlich ist es noch verwirrender als verwirrend. Nach dieser Liste, die serös wirkt, aber nicht amtlich ist, ist das in Wernigerode aufgefundene Verkehrszeichen die offizielle Version -- das im Nachtrag gezeigte Verkehrszeichen ist laut dieser Liste nur ein Vorschlag und wurde nie eingeführt (danke an @xiongshui für den Hinweis). Gegen diese Behauptung spricht allerdings, das ich das im Nachtrag gezeigte Schild schon mit eigenen Augen gesehen habe, und dass sich deutlich mehr Fotos davon im Netz finden [z.B. 4, 5, 6] als von der Wernigeroder Version (für die ich nur [7] finde).

Falls sich die Geschichte nicht aufklärt, werde ich in den nächsten Tagen eine E-Mail an einen entfernten Bekannten im Verkehrsministerium schreiben und um höchstamtliche Aufklärung bitten!

[4] http://www.nuernberg.de/internet/verkehrsplanung/verkehrsregeln.html
[5] http://minitvdorfen.wordpress.com/2009/11/03/neues-verkehrszeichen-montiert/
[6] http://www.hammwiki.de/wiki/Datei:Zum_Wassersportzentrum01.jpg
[7] http://www.echo-online.de/region/ruesselsheim/Schlupfloch-am-Ende;art1232,124...

Nachtrag zum Nachtrag zum Nachtrag (13:45): Ein Kommentator bei Christian Reinboth verlinkt auf eine Meldung, die das ganze auflöst [8]. Wie in Nachtrag 1 angedacht, war das Ganze eine rein innerbehördliche Verwirrung:

Ein vermeintlich falsches Verkehrszeichen hat bei der Polizei im Harz für Verwirrung gesorgt. Zwei Beamte hatten das Schild am Sonntag an einer Straßeneinfahrt in Wernigerode abmontiert, da sie es für eine Fälschung hielten, sagte ein Sprecher der Polizei in Halberstadt.

Am Ende fließen eben immer alle Dinge zusammen, und aus der Mitte entspringt viel Stuß...

(Warum zwei Versionen des Verkehrszeichens existieren, von denen eine angeblich nie eingeführt wurde, ist damit natürlich nicht beantwortet, aber mir reichts.)

[8] http://auto.t-online.de/verkehrszeichen-polizei-montiert-versehentlich-richti...

Wahn und Wirklichkeit: Ein Nachtrag zum Fall Chatzimarkakis

Die Universität Bonn hat dem Europa-Abgeordneten Georgios Chatzimarkakis heute seinen Doktortitel aberkannt und das in einer Presseerklärung mit Worten begründet, die jeder versteht.

Jeder? Nein! In seinem Büro in Brüssel sitzt Ex-Doktor Chatzimarkakis und macht sich die Welt, wie sie ihm gefällt.

CHATZIMARKAKIS: Diese heutige Entscheidung ist sehr bitter für mich. Bei aller Enttäuschung stelle ich aber erleichtert fest, dass die Universität Bonn keine Täuschungsabsicht sieht ..

UNIVERSITÄT BONN: Der Dekan bedauerte den Plagiatsfall und erklärte: „Wir werden verstärkte Anstrengungen unternehmen, um solche Machenschaften künftig zu verhindern. Einen absoluten Schutz gibt es leider nicht.“

CHATZIMARKAKIS: ... und ausdrücklich Fußnotenapparat und Literaturverzeichnis als regelgerecht ansieht.

UNIVERSITÄT BONN: Chatzimarkakis hatte Texte anderer Autoren in seine Doktorarbeit eingefügt, deren Anfang und Ende jedoch nicht z.B. durch Anführungszeichen gekennzeichnet. Lediglich am Ende der Passagen nannte er in einer Fußnote die Belegstelle. Das reicht jedoch nicht aus und verletzt die Regeln wissenschaftlichen Arbeitens.

CHATZIMARKAKIS: Dass meine damals gewählte Zitierweise heute als unzureichend angesehen wird, bedauert niemand mehr als ich: Ich habe meine Dissertation im Jahre 2000 online veröffentlicht, weil ich überzeugt war, dass sie gemäß der Promotionsordnung war.

UNIVERSITÄT BONN: Immer schon musste jeder eingereichten Dissertation eine Erklärung beigefügt werden, dass die Arbeit eigenständig verfasst und alle Übernahmen gekennzeichnet worden seien.

[Ein ausführlicherer Kommentar zur Causa Chatzimarkakis findet sich bei DE PLAGIO.]

Verschiedene Einkaufsweisen

Die jüngsten Debatten über das Einkaufsverhalten deutscher Bürger haben auch mich für das Thema sensibilisiert. In dem von mir geführten Haushalt habe ich nach aktueller Prüfung folgende Einkaufsweisen verwendet:

Ware (teilweise) sichtbar auf dem Laufband an der Kasse und mit Geld bezahlt, ausgewiesen durch Blickkontakt mit der Kassiererin;

Ware nicht auf dem Laufband, aber sichtbar im Einkaufswagen und mit Geld bezahlt, ausgewiesen durch Blickkontakt mit der Kassiererin;

Ware in meiner Einkaufstasche, nicht sichtbar und nicht mit Geld bezahlt, ausgewiesen durch Blickkontakt mit der Kassiererin.

Dies schafft Raum für Spekulationen. Ich habe deshalb den Edekamarkt auf die von mir angewandte Einkaufsweise explizit hingewiesen.

Ich habe auch die Kassiererinnen, die mich seinerzeit im Edekamarkt betreut haben, bereits entsprechend informiert.

Wenn Sie über diese Satire schmunzeln konnten, wird Ihnen diese komödiantische Einlage meines geschätzten Komikerkollegen Jorgo Chatzimarakis erst recht gefallen (herunterscrollen bis „In eigener Sache – Promotion an der Universität Bonn“).

(Danke an J.G. für die Inspiration und alles andere).

Taboobrüche

In seinem Blog „Deutsche Sprak schwere Sprak“ macht sich Ludwig Trepl, der oft auch in den Kommentaren im Sprachlog hintersinnige und manchmal etwas verschlungene Sprachnörgelei betreibt, Sorgen um die deutsche Sprache.

Er befürchtet, dass das „letzte Tabu“ fällt, weil er auf der deutschen Version der Webseite eines spanischen Hotels die Schreibweise Taboo gefunden hat:

Sicher werden täglich Dutzende von deutschen Wörtern frisch amerikanisiert und in der Regel ist das der Beginn eines Siegeszugs. Und dennoch, ich weiß nicht warum: „Taboo“ scheint mir etwas Besonderes zu sein. Ein Tabubruch ist geschehen, eine Art von Wörtern, bisher von einem Zauber behütet, ist nun schutzlos geworden.

Ja, es ist wirklich eine Schande, dass ausgerechnet dieses urdeutsche Wort mit einer neumodischen amerikanisierten Schreibweise versehen wird.

Das hätte der deutsche Kapitän James Cook Jakob Koch sich sicher nicht träumen lassen, als er das Wort in die englische deutsche Sprache einführte.

Noch schlimmer: Irgendein gemeiner Sprachzerstörer hat diese neumodische Schreibweise rückwärts durch die Zeit geschickt, sodass sie den Zauber des schutzlosen Wortes Tabu nun schon seit über zweihundert Jahren bedroht. Zum Beispiel in Othmar Rietmanns „Wanderungen in Australien und Polynesien“von 1868, in Christoph Friedrich Karl Kölles „Betrachtungen über das Gebet des Herrn“ von 1836 und sogar in den „Neuen Leipziger gelehrte Zeitungen“ von 1785.

Wie gut, dass es die Sprachnörgler gibt. Sonst wäre die deutsche Sprache wohl bald völlig unbenutzbar.

(download)

Viren und ihr Genus

Genusvirus

Mit-SciLogger Sören Schewe hat heute Mittag per Twitter nachgefragt, ob es der Virus oder das Virus heißen muss. Anlass war wohl dieser Tweet des Nachrichtenportals „Der Westen“.

Anders als sonst war ich bereit, hier eine absolute Regel zu nennen: der bei Computerviren, das bei allen anderen Viren. Ich habe das behauptet, weil ich meine, das schon einmal empirisch untersucht zu haben (vielleicht im Bremer Sprachblog) und eine ziemlich eindeutige Tendenz bestand. Der Westen hat sich gleich unter Berufung auf den Duden verteidigt, denn dort steht: „das, außerhalb der Fachsprache auch: der Virus“. Das ist aber natürlich keine echte Verteidigung, da der Duden, wie die Sprachnörgler nicht müde werden, ihm vorzuwerfen, lediglich festhält, welche Formen im Sprachgebrauch mit einer gewissen Häufigkeit vorkommen (wenn er nicht gerade aus PR-Zwecken erfundene Wörter aufnimmt).

Ich war mir aber, wie gesagt, sicher, dass man es genauer machen kann als der Duden und dass es -- natürlich außerhalb der Fachsprache -- eine klare Tendenz bezüglich unterschiedlicher Arten von Viren gibt. Ich habe das jetzt aber im Deutschen Referenzkorpus des Instituts für Deutsche Sprache noch einmal untersucht und festgestellt, dass das Bild tatsächlich etwas differenzierter ist.

Beim Computervirus gibt es eine klare Tendenz zum Maskulinum, wobei auch das Neutrum nicht selten ist. Beim Aidsvirus gibt es dagegen eine überwältigende Tendenz zum Neutrum. Das Grippevirus liegt aber irgendwo dazwischen, mit einer leichten, aber nicht signifikanten Tendenz zum Maskulinum (siehe Grafik).

Anscheinend hat der Wortstamm Virus also kein einheitliches Genus, sondern jedes Kompositum, das ihn enthält, hat eigene Präferenzen.

Sprache, echt. Überrascht einen immer wieder.


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Mein Towel Day 2011 im Überblick

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Das, kurz und knapp, war mein Towel Day 2011. Ich werde mich nicht beschweren, weder über meine Studierenden, die wohl zu jung sind, um den großen Douglas Adams zu kennen und schätzen, noch über meine Kolleginnen und Kollegen, deren Interessen offensichtlich woanders liegen.

Für mich war Douglas Adams ein prägender Einfluss, nicht nur durch seinen Sprachwitz und seine erstaunliche Phantasie, sondern auch durch seinen kompromisslosen Humanismus. Den mäßigen Erfolg des heutigen Tages verstehe ich deshalb als Auftrag: Douglas Adams hatte der Welt wichtige Dinge zu sagen -- sorgen wir dafür, dass die nicht schon so bald in Vergessenheit geraten.

Der nächste Towel Day kommt bestimmt.

Und hier, für die Nachwelt, die drei Zwischenmeldungen, die ich im Laufe des Tages getwittert habe:

(download)