Wahn und Wirklichkeit: Ein Nachtrag zum Fall Chatzimarkakis
Die Universität Bonn hat dem Europa-Abgeordneten Georgios Chatzimarkakis heute seinen Doktortitel aberkannt und das in einer Presseerklärung mit Worten begründet, die jeder versteht.
Jeder? Nein! In seinem Büro in Brüssel sitzt Ex-Doktor Chatzimarkakis und macht sich die Welt, wie sie ihm gefällt.
CHATZIMARKAKIS: Diese heutige Entscheidung ist sehr bitter für mich. Bei aller Enttäuschung stelle ich aber erleichtert fest, dass die Universität Bonn keine Täuschungsabsicht sieht ..
UNIVERSITÄT BONN: Der Dekan bedauerte den Plagiatsfall und erklärte: „Wir werden verstärkte Anstrengungen unternehmen, um solche Machenschaften künftig zu verhindern. Einen absoluten Schutz gibt es leider nicht.“
CHATZIMARKAKIS: ... und ausdrücklich Fußnotenapparat und Literaturverzeichnis als regelgerecht ansieht.
UNIVERSITÄT BONN: Chatzimarkakis hatte Texte anderer Autoren in seine Doktorarbeit eingefügt, deren Anfang und Ende jedoch nicht z.B. durch Anführungszeichen gekennzeichnet. Lediglich am Ende der Passagen nannte er in einer Fußnote die Belegstelle. Das reicht jedoch nicht aus und verletzt die Regeln wissenschaftlichen Arbeitens.
CHATZIMARKAKIS: Dass meine damals gewählte Zitierweise heute als unzureichend angesehen wird, bedauert niemand mehr als ich: Ich habe meine Dissertation im Jahre 2000 online veröffentlicht, weil ich überzeugt war, dass sie gemäß der Promotionsordnung war.
UNIVERSITÄT BONN: Immer schon musste jeder eingereichten Dissertation eine Erklärung beigefügt werden, dass die Arbeit eigenständig verfasst und alle Übernahmen gekennzeichnet worden seien.
[Ein ausführlicherer Kommentar zur Causa Chatzimarkakis findet sich bei DE PLAGIO.]